Die
Temperatur schwankt im Mittel
zwischen 18 °C (Sommer) und 1 °C
(Winter). Die Temperatur
variiert dabei stark abhängig
vom Einfluss des Atlantiks und
der Wassertiefe. In der tieferen
nördlichen Nordsee, in einem
Gebiet südlich und östlich der
Shetlands, ist die
Wassertemperatur durch das
einströmende Atlantikwasser das
ganze Jahr über fast konstant
bei 10 °C, während an der sehr
flachen Wattenmeerküste die
größten Temperaturunterschiede
auftreten und es in sehr kalten
Wintern auch zu Eisbildung
kommen kann.
Lebensraumtypen der Nordsee
Die
Nordsee bietet eine Reihe sehr
verschiedener Lebensraumtypen,
die von unterschiedlichen Biozönosen
bewohnt sind. So unterscheidet
man grundsätzlich in die
Lebensräume der Küstengebiete,
die verschiedene Küstentypen wie
die Steilküste, Felsküste und
Sandküsten beinhalten, von den
tatsächlichen aquatischen
Lebensräumen. Wichtige
Übergangsgebiete stellen im Fall
der Nordsee zudem die Salzwiesen
und die Wattflächen dar, die
sich durch einen Wechsel der
Lebensbedingungen abhängig von
Ebbe und Flut auszeichnen. In
der Nordsee liegt das größte und
artenreichste Wattenmeer der
Welt. Auch die Bereiche der
großen Flußmündungen, die sich
durch eine Durchmischung des in
die Nordsee fließenden Süßwasers
und des salzigen Nordseewasers
auszeichnen, stellen einen
eigenen Lebensraumtyp dar.
Sturmfluten/Küstenschutz
Besonders gefährdet für
Sturmfluten sind die Küsten der
heutigen Niederlande, Belgiens,
Deutschlands und Dänemarks.
Diese sind relativ flach, so
dass bereits eine relativ
geringe Erhöhung des
Wasserstandes ausreicht, um
weite Landstriche unter Wasser
zu setzen. Zudem sind Stürme aus
westlichen Richtungen an der
Nordsee besonders heftig, so
dass die gefährdetsten Stellen
die südöstlichen Küsten sind.
Winde aus Nordwest treffen dabei
vor allem die Niederlande und
die niedersächsische Küste,
Winde aus West- bis Südwest die
schleswig-holsteinische Küste.
Im Laufe der Geschichte kosteten
Sturmfluten hunderttausenden
Menschen das Leben, diese Fluten
formten maßgeblich die heutige
Küstengestalt mit. Bis in die
frühe Neuzeit hinein lagen die
Opferzahlen oft bei mehreren
zehntausend oder gar
hunderttausend Opfern pro Flut.
Inwieweit diese Zahlen
zuverlässig sind, kann aber nach
heutigem Wissen nur schwer
eingeschätzt werden.
Die
erste aufgezeichnete Flut ist
die Julianflut vom 17. Februar
1164.. In ihrer Folge begann der
Jadebusen zu entstehen.
Die erste Flut 1219 traf vor
allem Westfriesland bei der
Sturmflut von 1228 überliefern
die Chroniken 100.000 Tote. Die
zweite Flut oder Grote
Mandränke von 1362 trifft
die gesamte südliche
Nordseeküste, wieder überliefern
die Chroniken 100.000 Tote,
große Teile der Küste werden
zerstört und dauerhaft an die
See verloren. Darunter befindet
sich auch die heute
sagenumwobene Stadt Rungholt.
Die Insel Strand entsteht aus
den Überresten. Bei der
Burchardiflut (Zweite Grote
Mandränke) 1634 wird unter
anderem die Insel Strand
zerstört. Im 20. Jahrhundert
trafen schwerwiegende
Sturmfluten die Niederlande mit
der Hollandsturmflut, die am 1.
Februar 1953 für über 2000 Tote
sorgte und die Hamburger
Sturmflut am 16./17. Februar
1962, bei der 315 Hamburger
starben. Die „Jahrhundertflut“
von 1976 und die
„Nordfrieslandflut“ von 1981
brachten die höchsten bisher
gemessenen Wasserstände an der
Nordseeküste. Da nach der
Hamburger Flut jedoch der
Deichbau und der Küstenschutz
erheblich verbessert wurde, kam
es hier nur zu Sachschäden.
Die
größe Häufung von Sturmfluten an
der deutschen Küste ereignete
sich vom 26. bis zum 28. Februar
1990. Innerhalb von drei Tagen
trafen eine Windflut, zwei
Orkan- und zwei Sturmfluten auf
die Küste. In Büsum wurden
Windgeschwindigkeiten bis 160
km/h gemessen. Aufgrund des
verbesserten Küstenschutzes kam
es jedoch nur zu einigen
Sachschäden.
Der
Übergangsbereich zwischen Land
und Meer an den Gegenden mit
flacher Küste war ursprünglich
stark amphibisch geprägt. Das
Land bestand aus zahlreichen
Inseln und Halligen, die durch
Flüsse, Bäche und Moore getrennt
waren. Das „Festland“ wurde
regelmäßig überflutet. In den
besonders durch Sturmfluten
bedrohten Gegenden siedelten die
Menschen zuerst auf natürlichen
Erhebungen wie
Nehrungen. Erste
menschliche Siedlungen im
flachen Meeresspiegelbereich
wurden ab dem 7./8. Jahrhundert
auf Warften errichtet –
künstliche Hügel von mehreren
Metern Höhe. Bis zum Übergang
vom Früh- ins Hochmittelalter
dienten Ringdeiche dazu,
größere Gebiete zu schützen. Ab
dem Beginn des Hochmittelalters
begannen die Menschen die
vereinzelten Ringdeiche zu einer
Deichlinie direkt an der Küste
zusammenzufassen und so
langfristig den amphibischen
Bereich zwischen Land und Meer
in Festland zu verwandeln.
Die
moderne Form des Deichbaus durch
kommerzielle Unternehmer mit der
bis heute benutzten Deichform
begann im 17./18. Jahrhundert in
den Niederlanden. Diese
niederländischen Deichbauern
exportieren diese Form auch in
die anderen Nordseeregionen. Die
Hollandflut1953 und die
Hamburger Sturmflut 1962 waren
Ursache dafür, dass die Deiche
noch einmal erhöht wurden und
die Deichlinie durch
Landgewinnung und Sperrwerke
verkürzt wurde, um dem Meer so
wenig Angriffsfläche wie möglich
zu geben.
Heutiger Küstenschutz an der
flachen Nordseeküste besteht aus
mehreren Ebenen. Das
Deichvorland nimmt dem Meer
bereits einiges an Kraft mit dem
es auf den Deich treffen kann.
Liegt der Deich direkt am Meer,
ist ein besonders gesicherter
Schardeich notwendig. Der
Seedeich wurde im Laufe der Zeit
immer höher (bis zu 10 Meter)
und bekam ein flacheres Profil
um ebenfalls die Angriffskraft
der Wellen zu schwächen. Moderne
Deiche sind bis zu 100 Meter
breit. Dahinter folgt ein
Deichverteidigungsweg und meist
weiteres wenig dicht besiedeltes
Land. In vielen Gegenden folgt
nach einigen Kilometern eine
weitere Deichlinie.
Menschliche
Nutzung
Die
südliche Nordseeküste ist sehr
dicht besiedelt und wird
dementsprechend stark genutzt.
In einem 150-Kilometer-Bereich
an der Küste leben 80 Millionen
Menschen, davon fast die gesamte
Bevölkerung der Niederlande und
Belgiens, fast alle davon in
urbanen Gegenden. In diesen
Bereichen haben die
Küstenregionen eine
Bevölkerungsdichte von über 1000
Einwohner pro Quadratkilometer.
Der Küstenabschnitt
zwischen Hamburg undBrüssel ist
stark industrialisiert. Hier
findet sich eine der größten
Ansammlung von Schwerindustrie
weltweit.
Tourismus oder
Reise an die Nordsee
An den
Küsten werden sowohl die Strände
als auch die Küstengewässer
touristisch genutzt. Touristisch
besonders erschlossen sind dabei
die belgische, niederländische
und deutsche Küste. In
Südnorwegen, Dänemark und
Großbritannien gibt es einzelne
Touristenorte an der
Nordseeküste. Küstentourismus in
Dänemark konzentriert sich aber
vor allem auf die Ostsee, in
England auf die Kanalküste.
Windsurfen
und Segen sind wegen des immer
vorhandenen Windes beliebte
Wassersportarten. Die Nordsee
gilt wegen der starken Gezeiten
und der vielen
Flachwassergebiete in Küstennähe
als wesentlich schwieriger zu
segelndes Gebiet als Ostsee oder
Mittelmeer, so dass hier weit
weniger Segler unterwegs sind,
als an den anderen Küsten.
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